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pARadOXisMUs: Die letzte literarische, künstlerische und philosophische

Avantgarde des Zweiten Jahrtausends

 

A)    Definition:

PARADOXISMUS ist eine literarische, künstlerische, geistes- und naturwissenschaftliche Avantgarde-Bewegung, die den exzessiven Einsatz von Antithesen, Antinomien, Widersprüchen, Parabeln, Wahrscheinlichkeiten und Paradoxien in Schöpfungen zur Grundlage hat.

Diese Bewegung wurde in den 1980er Jahren von dem rumänischen Schriftsteller Florentin Smarandache als antitotalitärer Protest gegründet und weitergeführt.

 

B) Etymologie:

Paradoxismus = Paradox+ismus beschreibt die Theorie und Praxis des Einsatzes von Paradoxien, Widersprüchen etc. in Schöpfungen.

 

C)   Geschichte:

"Paradoxismus begann in Rumänien in den 1980er Jahren als antitotalitärer Protest gegen eine geschlossene Gesellschaft, in der die gesamte Kultur von einer kleinen Gruppe von Menschen manipuliert wurde. Es zählten nur ihre Ideen und ihre Publikationen. Wir konnten so gut wie nichts veröffentlichen. Dann sagte ich: Lasst uns Literatur machen … ohne Literatur! Lasst uns schreiben … ohne wirklich etwas zu schreiben. Wie? Einfach: Objektliteratur! "Der Flug eines Vogels" zum Beispiel ist ein "Naturgedicht", das nicht mehr niedergeschrieben werden muss, in jeder Sprache ist es greifbarer und wahrnehmbarer als alle Zeichen, die auf Papier gesetzt ein "künstliches Gedicht" ergeben: deformiert, das Ergebnis einer Übersetzung des Beobachteten durch den Beobachter und durch die Übersetzung verfälscht. "Hupende Autos auf der Straße" war ein "Stadt-Gedicht", "Mähende Landarbeiter" war ein "Disseminationsgedicht", "Der Traum mit offenen Augen" war ein "surrealistisches Gedicht", "Albern reden" war ein "dadaistisches Gedicht", "Chinesische Unterhaltung für Sprachunkundige" war ein "lettristisches Gedicht", "Wechselnde Unterhaltung zwischen Reisenden auf einem Bahnhof über verschiedene Themen" war ein "postmodernes Gedicht" (Intertextualität).

Möchten Sie eine vertikale Klassifizierung? "Visuelle Dichtung", "Klangdichtung", Geruchsdichtung", "Geschmacksdichtung", "Tastdichtung".

Eine weitere diagonale Klassifizierung: "Gedicht-Phänomen", "Gedicht-(Seele) Zustand", "Gedicht-Ding".

In der Malerei wie in der Bildhauerei – alles existierte bereits in der Natur, fertig erschaffen.
Deshalb leisteten wir einen stummen Protest!
Später gründete ich ihn auf Widersprüchen. Warum? Weil wir in jener Gesellschaft ein Doppelleben führten: ein offizielles Leben – propagiert durch das politische System – und ein reales Leben. Die Massenmedien redeten uns ein, dass "unser Leben wunderbar sei", doch in Wirklichkeit war "unser Leben miserabel". Das Paradoxon blühte! Die Schöpfungskraft entnahmen wir dem Hohn, dem umgekehrten Sinn, der synkretistischen Art. Der Paradoxismus war geboren. Die während der Ceausescu-"Ära" so beliebten Volkswitze, einem intellektuellen Atmen gleich, waren wunderbare Inspirationsquellen.

Das "Nein" und "Anti-" meiner paradoxistischen Manifeste waren von kreativem und keineswegs von nihilistischem Charakter (C.M. Popa). In seinem klassischen Werk zur paradoxistischen Bewegung: "Paradoxism's Aesthetics" (1994) beschreibt Titu Popescu den Übergang vom Paradoxon zum Paradoxismus. Während I. Soare, I. Rotaru, M. Barbu und Gh. Niculescu den Paradoxismus in meinem literarischen Werk untersuchten, stellte N. Manolescu anhand eines meiner Nicht-Gedicht-Manuskripte fest, dass diese gegen den Strich gehen.

Ich hatte keinen Vorreiter, der mich beeinflusste, ich war inspiriert von der im Land vorherrschenden "völlig auf den Kopf gestellten Situation". Ich stieg ins Politische, Soziale ein und kam schnell zur Literatur, Kunst und Philosophie und sogar zur Wissenschaft.

"Das Ziel ist die Erweiterung der Kunstsphäre durch nicht-künstlerische Elemente. Jedoch insbesondere der gegen die Zeit und gegen den Sinn gerichtete Schaffensprozess. Weiterhin das Experimentieren."

Durch Experimente bringt man neue literarische, künstlerische, philosophische und wissenschaftliche Termini, neue Abläufe, Methoden oder sogar Algorithmen der Schöpung hervor. In einem meiner Manifeste stellte ich den Sinn des Un-Sinns, Wechsel von übertragenem zu direktem Sinn, umgedrehte Interpretation linguistischer Ausdrücke vor.

Im Jahr 1993 unternahm ich eine Paradoxismus-Tournee und besuchte Literaturgesellschaften und Universitäten in Brasilien. In den 30 Jahren des existierenden Paradoxismus wurden 30 Bücher und über 200 Kommentare (Artikel, Rezensionen) sowie 5 internationale Anthologien veröffentlicht." (Florentin Smarandache)

 

D)   Merkmale des Paradoxismus (von Florentin Smarandache)

# Grundthese des Paradoxismus:
Alles hat eine Bedeutung und eine Nichtbedeutung, in Harmonie zueinander.

# Kern des Paradoxismus:
a) der Sinn hat einen Un-Sinn, und umgekehrt:
b) der Un-Sinn hat einen Sinn.

# Motto des Paradoxismus:
"Alles ist möglich, das Unmögliche auch!"

# Symbol des Paradoxismus:
(Eine Spirale -- optische Täuschung oder Teufelskreis)

# Abgrenzung zu anderen avantgardistischen Bewegungen:

-      Paradoxismus hat eine Bedeutung, hingegen Dadaismus, Lettrismus, die absurde Bewegung nicht;

-      Paradoxismus enthüllt insbesondere die Widersprüche, Antinomien, Antithesen, Anti-Phrasen, Antagonismen, Nicht-Koformismen, kurz: die Paradoxien in allem (in Literatur, Kunst, Wissenschaft), während diese vom Futurismus, Kubismus, Surrealismus, Abstraktionismus und allen anderen avantgardistischen Bewegungen außer Acht gelassen werden.

# Direktiven des Paradoxismus:

-   Einsatz wissenschaftlicher Methoden (insbesondere Algorithmen) zur Erzeugung (sowie zum Studium) widersprüchlicher Literatur und künstlerischer Werke;

-      Erzeugung widersprüchlicher Literatur und künstlerischer Werke in wissenschaftlicher Dimension (durch Verwendung von Symbolen, Metasprache, Matrizen, Theoremen, Lemmata etc. der Wissenschaft).

 

E)    Das dritte paradoxistische Manifest

Zwängt mir also keine literarischen Regeln auf! Tut ihr es doch, werde ich diese sicherlich missbrauchen. Ich bin kein Dichter, deshalb dichte ich.
Ich bin ein Anti-Dichter oder Nicht-Dichter.
Ich kam so nach Amerika und wollte die Freiheitsstatue der Dichtung wieder aufbauen, befreit von der Tyrannei der Klassik und ihrer Dogmen.

Ich gestattete alle Kühnheiten:

-      Anti-Literatur und ihre Literatur;

-      Flexible Formen gebunden, oder das lebende Angesicht des Todes!

-      Stil des Nicht-Stils;

-      Gedichte ohne Vers
(weil Gedichte keine Wörter bedeuten) - stumme Gedichte mit lauter Stimme;

-      Gedichte ohne Dichtung (weil die Vorstellung von "Gedicht" mit keiner Definition übereinstimmt, die man in Lexika oder Enzyklopädien findet) – Gedichte, die durch ihre Abwesenheit existieren;

-      Nachkriegsliteratur: Seiten um Seiten, bombardiert mit Dreck, Banalitäten und Poesielosigkeit;

-      paralinguistische Verse (ausschließlich!): Grafiken, lyrische Portraits, Zeichnungen, Skizzen …

-      Nicht-Wort und Nicht-Satz-Gedichte;

-      sehr ungeordnete freie Verse und triviale hermetische Verse;

-      verständlich unverständliche Sprache;

-      ungelöste und offene Probleme der Mathematik als sehr schöne Gedichte des Geistes – wir müssen in diesem technischen Zeitalter die Kunst verwissenschaftlichen;

-      unpersönliche Texte personalisiert;

-      elektrischer Schlag;

-      Übersetzung aus dem Unmöglichen ins Mögliche, oder Umwandlung des Abnormalen ins Normale;

-      Kunst pro Nicht-Kunst;

-      mache Alles zu Literatur, mache Nichts zu Literatur!

Der Dichter ist kein Entenkönig! Der Begriff "Dichtung" mitsamt seinen Ableitungen ist in unserem Jahrhundert unmodern geworden; die Menschen machen sich lustig darüber. Es ist mir peinlich zuzugeben, dass ich lyrische Texte schreibe, ich verstecke sie. Die Menschen lesen und hören heute keine Lyrik mehr, doch sie werden diesen Band lesen, denn es gibt nichts zu lesen!

Die paradoxistische Bewegung ist jedoch weder nihilistisch noch disparat.
Das Buch der Nicht-Gedichte ist ein Protest gegen die Vermarktung der Kunst.
Verkauft ihr Schriftsteller denn eure Gefühle? Schreibt ihr nur für Geld??
Es werden nur Bücher über Verbrechen, Sex, Horror veröffentlicht. Worin liegt die wahre Kunst?
Im Betteln …

Vielleicht finden Sie in diesem Buch nicht gesammelter Gedichte alles, was Sie weder brauchen noch mögen: Gedichte, die nicht gelesen, nicht gehört, ja, nicht geschrieben werden sollten! Genießen Sie sie. Erst nach dem Ärgernis erkennen Sie, was Vergnügen bedeutet. Die Gedichte spiegeln die unendliche Seele jedes Einzelnen. Allgemein gesagt: Kunst wird bis an ihre äußerste Grenze zur Nicht-Kunst getrieben – und darüber hinaus …
Besser ein Buch mit leeren Seiten als eines, das nichts aussagt.
Weiterhin ist die Sprache sehr abstrakt und symbolisch, zugleich jedoch sehr konkret: eine nicht in Form oder Inhalt eingeschränkte Dichtung. Sie nutzt das Klischee gegen sich selbst.

ALLES IST MÖGLICH, ALSO AUCH DAS UNMÖGLICHE! Wundern Sie sich also nicht über dieses Anti-Buch! Verstehen Sie es nicht, so verstehen Sie alles. Das ist das Ziel des Manifests. Denn Kunst ist nicht für den Geist, sondern für das Gefühl. Weil Kunst auch für den Geist ist.

Versuchen Sie, das Nicht-Interpretierbare zu interpretieren! Ihre Fantasie wird dabei wie ein Kaktus in der Wüste aufblühen.

Doch das Amerikanische Manifest des PARADOXISMUS ist insbesondere eine Revolte des Emigranten, der kein Englisch spricht, eine Revolte gegen die Sprache, ein Anti-Sprachen-Buch, das in mehr als nur gebrochenem Englisch verfasst ist (die amerikanische Sprache von Morgen?) …

[Aus dem Buch: NichtGedichte von Florentin Smarandache, Xiquan Publishing House. Phoenix, Chicago, 1991-1993.

Der Band enthält sehr Experimentelles, wie:

-      Gedichte ohne Vers;

-      Gedichte ohne Gedichte;

-      Entwürfe von Gedichten;

-      gezeichnete Gedichte;

-      Gedichte in Pirissanorench (einer Sprache, die im Südwesten der USA von einer einzigen Person gesprochen wird);

-      Super-Gedichte;

-      Grafische Gedichte;

-      Vereitelnde Gedichte.]

 

Ein internationales Form über Paradoxismus finden Sie unter:

http://groups.yahoo.com/group/paradoxism

 

Kostenlose E-Books und eine Online-Zeitschrift über Paradoxismus stehen unter folgender Adresse zum Download bereit:
http://www.gallup.unm.edu/~smarandache/a/Paradoxism.htm

 

[von Bernd Hutschenreuther und Martina Teichert]